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Vianina im Wiener!

Hier der Artikel in voller Länge:
„Meine Stadtpläne sind inspiriert von dem Blick eines Kindes, das die Größe einer Stadt noch nicht begreifen, und immer wieder etwas entdecken kann.“

Nina Simone Wilsmann lehnt entspannt im gemütlichen Sessel in ihrem lichtdurchfluteten, von Holz dominierten Atelier und verwirrt mit Gegensätzlichkeit: Aus den von tief geschwungenen Wimpern gesäumten Augen funkelt der Schelm und kindliche Unbedarftheit. Aber dann ist da gleichzeitig noch diese Willenskraft, diese Stärke, die einen förmlich anspringt, wenn man ihr in die Augen sieht.

Das innere Kind entdecken
Hier im dritten Bezirk hat die 36-jährige Designerin ihr Headquater gefunden. Mit dem Atelier war es Liebe auf den ersten Blick, wie mit Wien, der aktuellen Wahlheimat der gebürtigen Deutschen. „Es gibt so Städte, da fühlst du dich gleich zu Hause.“ Obwohl sie schon in vielen Städten gelebt hat (aktuell am Wochenende auch in Budapest), hat sie‘s mit der Orientierung nicht so sehr. „Mein Freund aber auch nicht, dafür fragt er nach dem Weg.“ Nach dem Weg fragen müssen vielleicht auch die, die sich mit ihren Stadtplänen durch die Straßen bewegen. Denn Ninas Pläne haben mit handelsüblichen Straßenkarten nichts zu tun. Diese werden jedoch auch nicht mit Design-Preisen ausgezeichnet. Musterhaft und bunt kommen Ninas Orientierungshilfen daher und versetzen den Betrachter in gute Stimmung. Es scheint, als würden sie unser inneres Kind wecken. „Das innere Kind lebt diese Neugierde, die ungetrübte Freude. Auch meinen Stadtpläne leben durch dieses neugierige Entdecken.“ Die erste Stadt, die von der jungen Frau, die bereits von Mexiko aus gearbeitet hat, 2007 auf Papier festgehalten wurde, war Wien. Mittlerweile sind es viele Städte und immer weitere folgen. Die Idee dazu reifte schon im Kindesalter: „Ich bin als Kind immer mit dem Finger über Landkarten gefahren. Dieses Begreifen hat mich seit jeher fasziniert.“

Wiederentdeckter Stil
Der Stil ihrer Pläne hat Geschichte: Entwickelt hat sie ihn in der Schule, in dem sie, als ihr „langweilig war“, kleine Elemente aneinander setzte. „Das war noch nichts Konkretes, doch vor ein paar Jahren wollte ich dann in diesem Stil einen Plan zeichnen.“ Heute ist aus diesen Kinderkritzeleien nicht nur ein mehrfach preisgekröntes Designwerk (Gewinner „100 beste Plakate“, Silber beim Joseph Binder Award) geworden, sondern auch der Beginn von „Vianina“: Ninas Onlineshop, über den es ihre Pläne etwa als Poster zu kaufen gibt. Die Nachfrage wird größer und dieser Erfolg kommt nicht von ungefähr, sondern hat viel mit ihrer Intuition („Frauen haben ein sehr gutes Gespür für Dinge, die nicht verbal passieren.“), ihrer Willenskraft, der Klarheit ihrer Ziele und ihrem Mut zu tun. Selbst die Berufsberaterin, die ihr nach dem Abitur vollkommen vom Grafikdesign abriet, konnte die Designerin nicht von ihrem Weg abbringen. Jeder, der in Ninas Stadtplänen einmal sein eigenes Kind wiederentdeckt hat, wird darüber sehr froh sein.

Text: Lisa Vesely, Foto: Andreas Jakwerth