Interview mit meiner Hochschule

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„Ich mag es, Städte durch Kinderaugen zu betrachten.“

Sie haben sich als Kommunikations-designerin selbstständig gemacht und haben Ihr eigenes Label „Vianina“ gegründet. War dies immer schon Ihr Traum während des Studiums oder wie hat sich dieser Schritt ergeben?

Nein das war gar nicht mein Plan. Ich habe zuerst an drei Tagen in der Woche in einer Design-Agentur im Bereich Corporate-, Editorial- und Webdesign gearbeitet und hatte nebenher immer wieder eigene Kunden, auch schon als Illustratorin. 2011 wollte ich mich dann verändern und habe den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt, mit einem tollen Programm, dass es in Österreich gibt, dem Unternehmensgründungs-programm (UGP), in dem man vom Arbeitsamt bei der Gründung finanziell und durch Kurse zum Thema Buchhaltung etc. unterstützt wird. Den ersten illustrierten Stadtplan habe ich 2006 von meiner Heimatstadt Wasserburg gezeichnet, eigentlich nur zum Spaß. Dabei habe ich den Vianina-Stil entwickelt. 2007 bin ich von Augsburg nach Wien gezogen und habe dann meine erste Stadtplan-Serie auf Basis der ersten Wasserburg-Skizze gezeichnet. Nie zuvor fand eine Designarbeit von mir so viel Anklang wie diese Stadtillustrationen, also habe ich die erste Serie von Wasserburg, Wien, Berlin und Hamburg bei verschiedenen Designpreisen eingereicht und wurde tatsächlich mehrfach ausgezeichnet: Bei „100 Beste Plakate“, beim österreichischen Joseph Binder Award und beim German Design Award. Danach kamen erste Anfragen per E-Mail, wo man meine Illustration denn kaufen könnte und da beschloss ich weitere Stadtpläne zu zeichnen und diese online und auf Designmärkten zu vertreiben. Bis 2015 bin ich zweigleisig gefahren, ich war für die Wiener Designagentur Ferras als Freelancerin tätig und habe gleichzeitig mein Label Vianina aufgebaut. Seit 2015 lebe ich eigentlich ausschließlich von Vianina.

Welche Inhalte und Kompetenzen, die Sie im Studium in Augsburg erworben haben, spielen in Ihrem Werdegang und Ihrer heutigen Tätigkeit eine Rolle?

Typografie und Schrift sind bis heute wichtig für meine Arbeit, auch als Illustratorin. Und für die Gestaltung meiner eigenen Drucksachen wie Visitenkarten, Webseite etc., die ich nach wie vor selbst gestalte. Witzigerweise habe ich BWL und Marketing echt nicht gemocht im Studium, aber heutzutage kommt man um diese Disziplinen nicht drum herum, vor allem, wenn man ein eigenes Unternehmen führt. Auch der Austausch und die Zusammenarbeit mit meinen Mitstudentinnen und Mitstudenten hat mir sehr viel gebracht. Der Unterricht im Zeichnen und Illustration begleiten mich auch bis heute. Ansonsten habe ich sehr vieles nach dem Studium gelernt. Ich denke es ist gut, während des Studiums in viele Disziplinen hineinzuschnuppern und dabei oder später sein Steckenpferd zu finden. Der Beruf des Grafikdesigners ist ja recht mannigfaltign.

Mit der Corona-Pandemie erleben wir derzeit eine globale Situation, die völlig surreal erscheint. Wir hoffen, Ihnen und Ihrem Umfeld geht es gut? Welchen besonderen Herausforderungen müssen Sie sich derzeit als Geschäftsführerin stellen?

Gesundheitlich geht es mir und meinem Umfeld gut. Mir sind zwei Ostermärkte abgesagt worden, der eine in Schloss Schönbrunn, der andere auf der Freyung im ersten Bezirk Wiens. Das bedeutet einen Umsatzentgang, den ich nicht so einfach danach wieder reinholen kann. Ich versuche das gerade durch meinen Onlineshop etwas abzufedern, aber das ist nicht so leicht. Es gibt hier in Österreich staatliche Härtefonds, die auch einen Teil des entgangenen Umsatzes ersetzen werden. Ich hoffe, dass sich im Laufe des Jahres die Situation wieder einigermaßen normalisiert und dass die Krise die Wertschätzung für kleinere, lokale Labels nachhaltig steigert. Ich kenne hier in Wien wirklich viele kleine Labels mit tollen, liebevollen und fair produzierten Produkten, ob es sich nun um Schmuck, Mode, Keramik oder Kunst handelt. In Augsburg gibt es da sicher auch einige.

Sie illustrieren preisgekrönte Stadtpläne. Kann man daraus schließen, dass Sie sehr reisebegeistert und viel unterwegs sind?

Eigentlich schon, allerdings hatte sich mein Reiseverhalten in den letzten 3 Jahren seit der Geburt meiner Tochter, stark verlangsamt. Wir sind in ein altes Haus am Stadtrand von Wien gezogen und haben das jetzt mal auf Vordermann gebracht. Davor war ich viel unterwegs: in Asien, Mexiko, Australien etc. Ich hatte auch mal eine Wohnung in Budapest gemietet. Ehrlich gesagt geht mir das momentan nicht so sehr ab, ich finde es auch schön mit meinen Stadtplänen mit dem Finger auf der Landkarte zu vereisen.

Wie hat sich Ihr spezieller Blick auf Städte entwickelt?

Ich liebe die Eigenarten, die jede Stadt so speziell macht. Ob das die Grachten in Amsterdam sind oder die Lage am Meer in Barcelona. Auch ist der Unterschied zwischen einer klassischen europäischen Stadt wie Venedig sehr spannend oder einer neueren Stadt wie Sydney. Beides hat seinen Reiz, gerade beim Zeichnen. Ich mag es, Städte durch Kinderaugen zu betrachten, weil da jede noch so kleine Stadt gigantisch wirkt. Betrachtet man auf diese Weise eine Großstadt, überkommt einen eine wahre Sintflut an Eindrücken.

Dürfen sich Augsburger bald schon auf eine künstlerische Verewigung Ihrer Stadt freuen?

Ich hoffe, ich komme bald dazu. Ich zeichne ja Wochen bis Monate an einer Stadt und deshalb muss ich mir auch aus wirtschaftlichen Gründen genau überlegen, welche Stadt ich zeichne. Nur aus Liebhaberei, das geht bei meiner knapp bemessen Zeit als Mutter einer kleinen Tochter, leider nicht mehr momentan. Mal sehen wie es nach der Krise weiter geht, ich bin frohen Mutes!

Pflegen Sie noch Kontakt zu ehemaligen Kommilitoninnen und Kommilitonen der Hochschule Augsburg?

Ich bin dank der sozialen Medien noch mit einigen Kommilitoninnen und Kommilitonen vernetzt, aber der aktive Kontakt ist durch meinen Umzug 2007 nach Wien doch etwas eingeschlafen, muss ich zugeben. Ein paar leben noch in Augsburg, ein paar in Berlin, Hamburg etc. Jeder lebt so sein Leben und ist so beschäftigt mit seiner Arbeit und viele haben Familien gegründet, da hat man dann doch mehr Kontakt zu den Leuten in der näheren Umgebung.

Falls Sie noch einmal die Wahl hätten, würden Sie sich erneut für ein Studium an der Hochschule Augsburg entscheiden?

Das ist eine schwierige Frage, aber mir hat das Studium wirklich sehr gefallen. Ich fand die Professoren und Dozenten überzeugend, die Fächer waren sehr vielseitig und das Leben in einer kleineren Stadt war ideal. Es war vielleicht nicht so hip, wie London oder Berlin gewesen wäre, aber die Szene in Augsburg war sehr lebendig und hat sehr vom Fachbereich Gestaltung profitiert. Es gab tolle Kneipen und Clubs. Ich habe mich sowohl an der Hochschule als auch in Augsburg vom ersten Tag an pudelwohl gefühlt. Es war ein bisschen wie ein großer Spielplatz, wir hatten viel Platz zur freien Entfaltung. 

Welche drei Stichworte bringen Sie mit Ihrem Studium an der Hochschule Augsburg spontan in Verbindung?

Kalligrafie, Typografie und Party (lacht)

Welchen Tipp möchten Sie unseren Studierenden mit auf den Weg mitgeben?

Schon während des Studiums die Fühler ins echte Leben austrecken. Also Praktika für Agenturen oder auch schon erste kleine Aufträge annehmen. Viel Experimentieren und Ausprobieren, ob mit analogen oder digitalen Werkzeugen. Versuch deinen eigenen Stil zu finden, das passiert aber nicht von heute auf morgen. Und so langweilig es klingt, aber es ist einfach so: Übung macht den Meister, Talent allein ist nur die Basis dafür (lacht)

Das Interview führte Robert Dölle, Link zum Interview

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